Weihnachten2008

Krippe

In Nazareth im Heiligen Land lebte vor langer Zeit ein kleiner Esel. Er war ganz anders als alle anderen Esel in der Stadt. So fleißig und sauber die anderen Tiere waren, so faul, struppig und schmutzig war er. Dafür aber hatte er einen hübschen Gang und trug seinen Kopf am höchsten. Die anderen Esel machten sich deswegen immer über den kleinen Esel lustig. Aber das kümmerte den kleinen Esel nicht. ,,Ich werd`s ihnen noch zeigen“, dachte er. Eines Tages sollte der Esel mit einem Knecht am Brunnen Wasser holen gehen. Dort begegnete der kleine Esel Maria. Sie sah den kleinen Esel und sagte: „Was für ein schöner Esel. Jammerschade das er so dreckig ist.“ Und Maria kraulte den kleinen Esel hinter dem Ohr. Dies gefiel dem Esel sehr gut. Der kleine Esel versuchte nun jeden Tag pünktlich am Brunnen zu sein um Maria zu treffen die dort jeden Tag Wasser holte.
Das Wasserholen war eine sehr schwere Arbeit. „Wie herrlich es währe, wenn ich einen Esel hätte“, sagte Maria eines Tages zu ihrem Mann Joseph, „ dann müsste ich das schwere Wasser nicht mehr selbst schleppen.“ Maria und Joseph waren aber sehr arme Leute und konnten sich keinen guten und fleißigen Esel leisten. „Aber vielleicht“, dachte Joseph, „ kann ich für das wenige Geld das wir haben ja einen kleinen und schmutzigen Esel kaufen. Der würde reichen um Maria beim tragen zu helfen.“ Und tatsächlich, Joseph hatte Glück, er bekam einen Esel. Und zwar…den kleinen faulen und struppigen Esel. Als Joseph seiner Frau Maria den Esel zeigte war sie überglücklich. „ Das ist ja der kleine schöne Esel vom Brunnen“, rief sie. Bei Maria ging es dem kleinen Esel gut. Er wurde geputzt, gestreichelt und gut gefüttert. „ Maria ist so lieb,“ dachte der kleine Esel, „ich werde ihr als Dank tüchtig helfen!“ Und das tat der kleine Esel auch. Er half Maria bei der Ernte, beim Wasserholen und was es noch so zu tun gab. Von den anderen Tieren im Stall erfuhr er, dass Maria ein Kind erwartete und so half der kleine Esel Maria noch tüchtiger, damit dem Kind in Marias Bauch nichts passierte.
Eines Tages kam ein Bote vom König und sagte: „Der Kaiser hat befohlen, dass alle Völker in seinem Reich sich zählen lassen sollen und jeder muss in die Stadt reisen, in der er geboren wurde. So mussten Maria und Joseph nach Bethlehem reisen und sich dort in ein Buch eintragen lassen. Aber Maria würde bald ihr Kind bekommen und so musste der kleine Esel Maria auf seinem Rücken nach Bethlehem tragen. Dies machte ihn sehr stolz und er sagte zu sich: „Ich werde gut auf Maria aufpassen und meine Füße sanft auf den Boden setzen, damit Maria und dem Kind nichts passiert.“ Und so machten sich Maria, Joseph und der kleine Esel auf den Weg nach Bethlehem.
Der Weg war lang und beschwerlich. Aber der kleine Esel hielt tapfer durch. Eines Tages kamen sie an einen Fluss. Dieser war aber durch den Regen so angeschwollen, dass es gefährlich war hinüberzugehen. Joseph wollte schon aufgeben und einen anderen Weg über den Fluss suchen, als dem kleinen Esel ein Engel erschien. Dieser winkte ihm zu und zeigte ihm eine flachte Stelle im Fluss und so konnte der kleine Esel Maria trocken und sicher ans andere Ufer bringen. Joseph fragte sich erstaunt woher der kleine Esel  die Stelle im Fluss kannte, denn weder er noch Maria hatten den Engel sehen können.
Und jedes mal wenn Maria und Joseph Hilfe brachten, oder einen trockenen Platz zum schlafen, erschien den kleinen Esel ein Engel und zeigte ihm einen Platz. Und so kamen sie endlich in Bethlehem an. Es war schon dunkel als sie die Stadt erreichten. Aber oh weh, alle Herbergen waren schon überfüllt und sie fanden keinen Platz mehr zum schlafen. „ Was sollen wir nur tun“, seufzte Joseph. „Unser Kind kommt bald und wir haben keinen Platz zum schlafen.“ „ Mach dir keine Sorgen Joseph,“ sagte Maria, „ Unsere kleiner Esel hat bis jetzt jeden Abend einen warmen Platz zum schlafen gefunden, auch diese Nacht wird er mit Gottes Hilfe einen geeigneten Platz finden.“
Der kleine Esel blickte sich um, ob nicht irgendwo ein Engel zu sehen war…dort…an der Ecke, ja, dort stand einer und winkte. Sofort lief der kleine Esel los. Joseph musste ihm hinterher rennen, damit er ihn nicht aus den Augen verlor. Der Engel führte sie zu einem kleinen Stell am Rande der Stadt. Im Stall war es warm und gemütlich. Joseph half Maria vom kleinen Esel herunter und sie legte sich auf das Stroh nieder um zu schlafen, denn sie war sehr müde und erschöpft von der langen Reise, Auch Joseph legte sich schlafen. Nur der kleine Esel konnte nicht schlafen, denn er fragte sich immer wieder: „Wann wird wohl Marias Kind geboren?“ Aber langsam fielen auch ihm die Augen zu und er schlief ein.
Plötzlich erwachte der kleine Esel. Als er sich umsah, sah er Maria in einer Ecke im Stall und in ihren Armen lag ein ganz kleines Kind.  „ Nun ist es also geboren“, freute sich der kleine Esel. Er trat an die Krippe heran, in die Maria das Kind gelegt hatte und bestaunte es. „Er hat Augen wie ein Engel“, dachte der Esel, als er das Kind bestaunte. In dem Moment flammte ein großer Stern über dem kleinen Stall auf und erleuchtete den ganzen Stall.
Nun waren in dieser Nacht Hirten auf den Feldern. Sie wollten noch ein paar Schafe heimholen und sahen den Stern der über ihrem Stall leuchtete. „ Kommt, lasst uns gehen und sehen, was sich zugetragen hat.“ So eilten sie mit ihren Schafen in Richtung Stall. Und dort im Stall fanden sie das neugeborene Kind, in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegend. Und neben der Krippe stand ein kleiner Esel.


Wir gehen jetzt wieder zurück in unserne Kreis.